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Einführung

Der Masterstudiengang Digital Design ist ein aus der Informatik heraus entwickelter Gestaltungsstudiengang und hat das Ziel, kompetente Gestalter*innen für den digitalen Wandel und die Digitalisierung zu qualifizieren. 

Um diesem breiteren Fokus Rechnung zu tragen, werden in diesem Studiengang Begriffe eingeführt und verwendet, die dazu geeignet sind, eine Brücke zwischen den verschiedenen beteiligten Fachdisziplinen zu bauen und damit eine fachübergreifende Kommunikation etablieren. Der folgende Text ist eine kompakte Einführung in diese Begriffswelt.

Gestaltung

Unter Gestaltung bzw. gestalten wird ein Eingriff in die Umwelt verstanden, der zu einer absichtsvollen Veränderung führt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist ein Verständnis von Gestaltung, das über die reine ästhetische Erscheinung (Form, Farbe) hinausgeht (vgl. [1]).

Digital Design ist in diesem Sinne ein Studiengang für die Gestaltung von digitalen Lösungen. Dieser Prozess wird oft auch als Digitalisierung bezeichnet.

Digitalisierung

Der Begriff der Digitalisierung ist bewusst gewählt, um den breiteren Fokus der Digitalisierung in den Vordergrund zu rücken. Zum einen wird die Digitalisierung im Sinne des digitalen Wandels als sozialer Prozess verstanden, d.h. die Transformation hin zu einer Wirtschaft und Gesellschaft, die in wesentlichen Teilen auf digitalen Technologien basiert. Zum anderen wird Digitalisierung aber auch als technischer Prozess verstanden, der analoge Daten und Prozesse in eine digitale Form transformiert.

Dieses Spannungsfeld ist keine Schwäche des Begriffs Digitalisierung. Es zeigt vielmehr, dass die Digitalisierung ein interdisziplinäres und soziotechnisches Phänomen ist. Daher müssen in der Gestaltung von Digitalisierung neben informatischen und insbesondere softwarebezogenen Faktoren auch die Faktoren Wirtschaft, Mensch und Organisation sowie Hardware und physische Produkte eine wesentliche Rolle spielen.

Analoges und Digitales

Das Digitale als Gegenbegriff zum Analogen soll als Obergriff für eine Kategorie von Dingen, Lösungen bzw. Produkten verstanden werden, die maßgeblich durch digitale Technologien ermöglicht werden. Das Analoge soll hingegen als ein Oberbegriff für Dinge, Lösungen bzw. Produkte verstanden werden, die maßgeblich auf analogen Technologien beruhen. Die Begriffe Analog und Digital dürfen jedoch nicht als trennscharfe Kategorien verstanden werden. Sie sollen als Denkanstoß verstanden werden, da insbesondere digitale Lösungen (zumindest bisher) nicht ohne analoge Bestandteile auskommen.

Digitales Material

Digitale Technologie als Basis für die Realisierung digitaler Lösungen wird als Material verstanden, das gestaltet werden kann. Die Idee des digitalen Materials und der Kompetenz im digitalen Material ist eine wesentliche Voraussetzung, um kompetente Gestalter*innen der Digitalisierung zu qualifizieren.

Hier folgt der Studiengang etablierten Gestaltungsstudiengängen (bspw. Industriedesign und Architektur), in denen die Vermittlung von Materialkompetenz ebenfalls eine tragende Säule darstellt. Gleichzeitig schafft die Idee des digitalen Materials die Brücke in andere Fachdisziplinen, die ebenfalls mit dem Materialbegriff arbeiten (bspw. Industriedesign und Architektur).

Bauen und der Bauprozess

Neben der Materialkompetenz spielen prozessuale Kompetenzen (bspw. für die Planung der Umsetzung einer Lösung) eine zentrale Rolle in der Gestaltung, um die zuvor benannten absichtsvollen Veränderungen herbeizuführen. Als Oberbegriff für die Gesamtheit aller Aktivitäten von der ersten Idee bis zum tatsächlichen Betrieb und der Weiterentwicklung digitaler Lösungen wird der Begriff Bau bzw. das Bauen verwendet. Baukompetenz mit digitaler Technologie ist wichtig für eine gute Gestaltung, da beim Bau einer digitalen Lösung viele kleinteilige Gestaltungsentscheidungen erforderlich sind, die den Erfolg einer Lösung maßgeblich beeinflussen.

Entwurf und Entwerfen

Ein letzter zentraler Begriff ist der Entwurf bzw. das Entwerfen. Unter einem Entwurf soll im Kontext der Digitalisierung sowohl die Darstellung der Idee einer digitalen Lösung (bspw. in Form eines Konzeptes, grafischen Modells oder eines Prototyps) als auch die Tätigkeit der Erarbeitung einer solchen Idee verstanden werden (vgl. [2]).

Entwurfsarbeit ist dabei nicht nur auf die Gestaltung begrenzt. Ebenso basieren auch die ingenieurswissenschaftlich orientierten Felder der Digitalisierung (bspw. die Softwareentwicklung) wesentlich auf Entwurfskompetenz. Allerdings wird hier die Kompetenz nicht in die gestalterische Richtung, sondern in eine umsetzungsorientierte Richtung betrieben (bspw. Architekturen von Software, Schnitt in Module oder Services). Aufgrund dieser dualen Natur der Entwurfsarbeit in Gestaltung und Umsetzung ist Kompetenz im Entwerfen und vor allem in verschiedenen Notationen des digitalen Entwerfens eine wesentliche Schnittstellen-kompetenz, um eine gemeinsame Kommunikationsbasis mit allen Beteiligten zu schaffen.

Der Begriff Entwurf und damit auch Entwurfskompetenz ist ebenso ein wesentlicher Bestandteil in anderen gestaltenden und auch in ingenieurswissenschaftlich orientierten Fachdisziplinen (vgl. [3]). Neben Entwurfskompetenz für die Digitalisierung ist daher auch ein umfassendes Entwurfsverständnis in weiteren Disziplinen Voraussetzung, um dem interdisziplinären Charakter der Digitalisierung gerecht zu werden.

Entwerfen vs. Gestalten

Die Abgrenzung zwischen Entwerfen und Gestalten wird in unserem Studiengang wie folgt definiert: Unter Entwerfen wird die Erstellung einer Darstellung verstanden, unter Gestalten wird das Erdenken der Darstellung verstanden. Im Sinne einer Analogie zum Schreiben ist die Kompetenz zum Schreiben von Buchstaben, das Wissen um Grammatik und Satzbau als Entwurfskompetenz zu verstehen. Das Verfassen von guten Romanen oder Gedichten hingegen ist Gestaltungskompetenz.

Quellenangaben

[1] vgl. M. Erlhoff & T. Marshall: Wörterbuch Design, Birkhäuser, 2008.
[2] C. Gänshirt: Werkzeuge für Ideen. Einführung in das architektonische Entwerfen, Birkhäuser, 2021
[3] T. H. Schmitz et al.: Manifestationen im Entwurf: Design – Architektur – Ingenieurwesen, transcript Verlag, 2016.

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